Kirche Witz

09.03.2019
Eine Landschaft in Wolhynien vor wohl hundert Jahren: Eine strenggläubige Jüdin hat ihre Schwester im Schtetl besucht und kehrt nun in ihr Dorf zurück. Dazu muss sie einen Bach überqueren, der während ihrer Abwesenheit jedoch zu einem mächtigen Fluss angeschwollen ist. Die Dorfbewohner haben zwar eine provisorische Hängebrücke gebaut, doch zu allem Überdruss ist es heute auch noch sehr stürmisch, so dass die Brücke bedrohlich schwankt. Die gute Frau hat aber keine Wahl; der einzige Weg nach Hause führt über diese Hängebrücke. Als sie in der Mitte ist, kommt eine solche Windbö, dass sich die Brücke fast überschlägt. In ihrer Todesangst gelobt die Frau: 'Wenn ich heil ans andere Ufer komme, spende ich einen Rubel für den Aufbau unserer Synagoge!' Sie hat ihr Gelöbnis kaum zu Ende gedacht, als der Wind nachlässt und sie sicher weitergehen kann. Nach einigen Schritten denkt sie: 'Nun ja, ein ganzer Rubel ist vielleicht ein bisschen viel; ein halber würde es sicher auch tun.' In diesem Moment prescht erneut ein mächtiger Windstoß heran, und die Frau muss sich mit ganzer Kraft festhalten, um nicht von der Brücke geweht zu werden. 'Das war doch nur Spaß', schreit sie im Geiste 'und der denkt gleich, ich hätte das ernst gemeint!'